| |
die südliche Stein-Architektur
Als der legendäre König Salomo vor 3000 Jahren von seinem Baumeister
Hiram Zedern- und Zypressenholz für seinen Tempelbau aus dem Libanon
anforderte, war das jene Zeit in der Antike, die als Ende einer vom
Menschen gemachten ökologischen Katastrophe anzusehen ist. Jene
ökologische Krise hatte in der vorderasiatischen Bronzezeit ihren Anfang
genommen. Damals holzte man für Bauzwecke, Brennholz und für den
Schiffsbau großflächig bewaldete Gebirgszüge ab. Ein ungewöhnliches
Trockenklima und die Überweidung mit Schaf- und Rinderherden taten das
Übrige, und es entstanden so Haine oder lichte Wälder aus uralten Bäumen, da ja das junge
Holz von den Herden immer wieder vernichtet wurde.
In den steinernen Tempelbauten der Bewohner dieser Landstriche,
besonders aber in den Tempelbauten der Griechen und Ägypter, finden sich
anfangs noch Holzbautechniken, die von den Steinmetzen auf den Steinbau
übertragen wurden, und die alten Tempelbauten mit ihren Säulenhallen
erinnerten noch an die alten heiligen Haine. Doch setzte sich nun
schnell durch Ermangelung an Bauholz eine eigenständige Steinarchitektur
am Mittelmeer durch. Aber nicht allein die Verwendung bestimmter
Baumaterialien [also vorzugsweise Stein [oder auch geschmiedetes Eisen]
prägte den Baustil des Südens sondern auch das Klima. Dächer mussten
keine Schneelast trage, und so ist dort der Dachabschluss zur flachen
Ebene geneigt. Häuser sind arm an Fenstern manchmal gar fensterlos. Die
Vergrößerung der Baukörper geschieht durch Wiederholung in ebener
Richtung auch durch Zusammenschluß zu einer Reihe bei
gleichzeitiger Aufgabe des einzelnen Hauskörpers - so im Gebiet des
Mittelmeeres südlich der Alpen.
Durch Gliederung entsteht das südeuropäische Hofhaus mit seiner
künstlerischen Entwicklung bis zum Renaissancepalast [Steinbaustil,
einschließlich der Kuppelgewölbe]. Architekturelemente sind: Mauer,
Pergola [Flachdecke], Stützmauern, Terrassen, Gewölbe, Vorhallen aus
Stein, Veranda, Loggia, Steinwände mit Putz, Tünche, Stuck oder Malerei.
Steinbildnerei, Steinsäulen, Steinstufen, Steinplattenwege, Pflasterung,
Zisternen, steinerne Bildstöcke, steinerne Grabmäler usw. Kleinbauten
aller Art werden in Stein ausgeführt.
Der Garten des Südens ist der Hofgarten, der Patio oder der mit Mauern
umfriedete Hausgarten, der selten eine Verbindung zur offenen Landschaft
hat. Im mediterranen Garten ist Holz weitgehend durch geschmiedetes
Eisen ersetzt, etwa bei den Gartenmöbeln, Zäunen oder Gittern. Doch sei
der Materialeinsatz beim Schmiedeisen sparsam und grazil, denn
traditionell verwendete man teure Materialien sparsam. Durch das
Zusammenspiel all dieser Faktoren entsteht erst das gewünschte leichte,
mediterrane Flair, das im optischen Kontrast zur eher erdverbunden
südländischen Architektur steht.
Bild oben: Bronzeplastik von Malgorzata Chodakowska
|
|