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Man sagt, dem Zweck folgt die Form. Und so ist zu einem guten Teil das
traditionelle japanische Wohnhaus tatsächlich ein reiner Zweckbau. Ein
wichtiger, die Form bestimmender, Faktor ist das besondere japanische
Klima [feuchte Sommer, trockene Winter] und die altjapanische
Lebensweise - wie etwa das Sitzen auf dem Boden - entsprechend ordnen
sich die Fenster für den Ausblick und in der weiteren Zweckbestimmung
für die bodennahe Lüftung der Wohnzimmer in den schwülen Sommermonaten.
Bemerkenswert ist in Japan die Unmittelbarkeit der Verbindung zwischen
Garten und Wohnraum: "Das japanische Wohnhaus verschmilzt über die
Veranda hinaus, die weitausladende Verdachung, die Steinstufen und
Trittsteine mit dem Garten zu einem ganzen, so dass es zwischen Haus und
Garten kaum eine Grenze gibt."
"Das japanische Wohnhaus steht im allgemeinen nicht an der Straße,
sondern fast immer im Garten, umgeben von einem hohen Bretter- oder
Bambuszaun, oder einer immergrünen beschnittenen Hecke, manchmal auch
einer Steinmauer. Die Mauer oder der Zaun müssen als eigentliche
Außenwand des sehr offenen japanischen Hauses betrachtet werden. Über
solchen Umzäunungen ragen viele Bäume von frischem Grün hervor, und
dazwischen sind nur die Dächer der Häuser sichtbar."
Japanische Gärten sind bekanntlich stilisierte Landschaften und im
eigentlichen Sinne mehr Betrachtungsgärten, die um ein Gebäude angelegt
sind von dem man aus den Garten still beobachten kann. Doch neben diesen
rein ästhetischen Gesichtspunkten erfüllen die japanischen Hausgärten
auch ganz praktische Aufgaben. Sie sind eine natürliche Klimaanlage.
Gartenteiche geben in der Hitze dem Garten eine angenehme Kühle.
Die weit offenen japanischen Wohnhäuser mit ihren schattigen Veranden
bekommen so im Sommer einen kühlen Windhauch aus dem Garten. Und da sich
hier das private Leben besonders im Herbst und Winter mehr auf der
überdachten, aber sonnengewärmten Veranda abspielte, so ist ist das auch
der Grund, wieso man den gesamten Garten als angeschlossenen privaten
Bereich bestimmte.
Das Prinzip solcher ungestörten und mehr geheimen Gärten könnten wir
ohne Sorge auch auf unsere europäischen Hausgärten übertragen, da auch
der Garten immer mehr als erweiterter Wohnraum genutzt wird ...
Abschließend ist jedoch festzustellen, das es falsch wäre, traditionell
japanische Wohnhäuser in Europa einfach zu kopieren: "Der geistige Kern
des japanischen Hauses aber beruht auf der ursprünglichen Lebenshaltung
des japanischen Menschen, der gern im natürlichen und Alltäglichen die
Bedeutung des Menschenlebens zu finden sucht. .... Wir sollten uns
bemühen, den Geist des japanischen Wohnhauses zu erfassen. Es ist
sinnlos, nur die äußere Form das alten japanischen Hauses oberflächlich
nachzuahmen. Leider findet man heute in Japan selbst wie im Ausland oft
Beispiele moderner Häuser, wo dies aus sentimentalen Gründen wie
exotischem Interesse geschehen ist."
mehr Infos
Zitate aus: Tetsuro Yoshida, Das japanische Wohnhaus, Tübingen 1954
Bild oben: Bronzeplastik von Matthias Jackisch
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