Fernöstliches Flair, heitere Melancholie

Von den klassischen chinesischen Gärten ist bekannt, dass man dort versuchte, eine besondere Stimmung heiterer Melancholie zu erzielen. Eine gewisse romantische Düsternis in der Gartengestaltung war gewollt.

Es ist die Idee der Chinesen im klassischen, malerischen Landschaftsgarten immer wieder den Kontrast des „Lachenden“ und des „Bedrohlichen“ darzustellen. In China findet sich dieses Gestaltungsmotiv von düster und heiter, von hell und dunkel und von gut und böse in den großen parkartigen Gärten oder in den weitläufigen Hausgärten. In Japan wurde dieser Stil vom chinesischen Festland übernommen und vor allem in den Gärten umgesetzt, welche für die Teezeremonie gedacht sind.

Chinesischer GartenZum gewissen Teil ist der Gedanke heiterer Melancholie auch im Konzept der europäischen Landschaftsgärten zu finden. Dabei ist dieser Gedanken vermutlich nicht von den Chinesen direkt kopiert. Es ist wohl eher so, dass dem Konzept des landschaftlichen Gartens nicht besonders viele Gestaltungselemente zur Verfügung stehen, denn es ist schwierig echte Natürlichkeit spannend zu gestalten. Das war schon Goethe klar geworden, der gegen Ende seines Lebens sehr von seiner Begeisterung für den damals in Mode gekommenen englischen Landschaftsgarten abgekommen war. Bei einer Spazierfahrt nach Belvedere lobte er dem Kanzler von Müller eher die französischen Architekturgärten: „Die geräumigen Laubdächer, Laubengänge, Quinconcens lassen doch eine zahlreiche Gesellschaft sich anständig entwickeln und vereinen, während man in unseren englischen Anlagen, welche ich naturspäßig nennen möchte, allerwärts aneinander stößt, sich hemmt und verliert“ Es liegt in diesen Worten fast eine Gereiztheit Goethes gegen seine frühere Begeisterung, gegen den Geist sentimentaler Schwärmerei, der ihr zugrunde lag. (nach Geschichte der Gartenkunst, Jena 1926)

Anders könnte man auch sagen: viele landschaftliche Gartenanlagen sind zwar schön, aber doch meist ohne gestalterische Spannung. Zwar hatte man versucht, die Gärten mit Tempelchen oder Grotten abwechslungsreich zu gestalten, doch meist mit dem Ergebnis von sentimentalen Kitsch.

Profitieren Architekturgärten vor allem von optischen Effekten, so sind es in naturähnlichen Gärten Emotionen, die angesprochen werden müssen. Natürlich wollte man romantische Gefühle im Landschaftsgarten bedienen und man hatte viel damit experimentiert, aber leider mit wenig Erfolg. Nur ein emotionaler Effekt ist realistisch darstellbar und das ist jener von Heiterkeit und Düsternis.

Auf den Punkt brachten diese Gestaltungsidee wohl japanische Mönche, die mit der Entwicklung ihrer meditativen Teezeremonie, ein gärtnerisches Umfeld schufen, einen Garten der einer rauen Berglandschaft nachempfunden wurde, mit einer Hütte am Meer. Diese Teegärten sollten rau und düster wirken und die Architektur – als Werk des Menschen – eher grazil, sehr einfach – ja beinahe zerbrechlich.Das Teehaus muss sich in seiner Schlichtheit in die Natur einfügen – beherrschen darf es sie nicht – damit dient dieser Stil, das Herz des Menschen zur Demut zu bewegen. Am besten verständlich wird uns dieses Gedankenbild vielleicht durch folgende poetischen Verse des japanischen Mönch Sen Rikyu (1522-1591)

Hinüber blicke ich
Weder Blumen
Noch farbige Blätter.
Am Gestade des Meeres
Eine einsame Hütte
Im schwindenden Licht
Eines Herbstabends